Ein Seminar im Rahmen meines Masterstudiums führte mich ins Karmelitenkloster am Bamberger Kaulberg.
Wobei korrekt gesagt werden muss: ins ehemalige Karmelitenkloster.
Das Kloster St. Maria und St. Theodor blickt auf über 900 Jahre, im wahrsten Sinne des Wortes, bewegte Geschichte zurück.
Es wird erwähnt als Armenspital, Frauenkloster, seit 1598 als Karmelitenkloster, nach der Säkularisation 1803 als Aufbewahrungsraum für Kriegsgeräte, als Lazarett, Suppenanstalt, Porzellanfabrik, Turnhalle und Schule.
Besonders bewegt ist die Geschichte des Kreuzgangs des Klosters, der in verschiedenen Bauabschnitten entstand, verändert, erweitert, zurückgebaut und letztlich – und hier kommt besonders viel Bewegung ins Spiel – einiger seiner Säulen beraubt wurde.
Manche Säulen gelangten bis ins Bayerische Nationalmuseum nach München, andere in den privaten Garten eines Bamberger Kunstsammlers, und manche landeten auf einem Schutthaufen dort, wo heute das Bamberger Staatsarchiv steht.
Dank guter Denkmalpflege und dem Engagement der Karmeliten, die das Kloster Anfang des 20. Jahrhunderts zurückkauften, sind alle Säulen heute wieder im Kreuzgang des Klosters vereint.
Und da kam gleich die nächste Veränderung hinzu: Vor wenigen Jahren verkauften die in Bamberg ansässigen Karmeliten ihr Kloster an einen Investor, der daraus (Luxus-)Wohnungen machte. Die Karmeliten selbst konnten durch die Verkaufserlöse ein neues Kloster gleich nebenan errichten, das an ihre aktuelle Lebenssituation angepasst ist.
Der Kreuzgang bildet heute das idyllische Zentrum eines Wohnkomplexes und ist gleichzeitig „Hausflur“ und Innenhof.
Ordensleute wandeln heute folglich nicht mehr zwischen den Bildstöcken, die von biblischen Geschichten, Himmel und Fegefeuer erzählen. Wieder ist ein Kapitel(l) zu Ende gegangen. Und doch lebt der Ort weiter, erzählt Geschichten von damals und verbindet Ordensleben und weltliches Leben.
Dank der Denkmalschutzbehörden ist der Kreuzgang weiterhin für Menschen zugänglich und kann erkundet werden.
Und was hat das Ganze nun mit Kommunikation zu tun?
Die Immobilie hat im Laufe ihrer Zeit einigen Wandel miterlebt. Und damit steht sie nicht allein dar, sondern ist eines vieler steingewordener Zeugnisse, die davon berichten, dass noch nie alles war, wie es ist.
Alles ist geworden, alles schon immer im Wandel und nie fertig.
Das gilt für sakralen Räume genauso wie für Kommunikation:
Sie müssen sich immer wieder neu erfinden, den Fragen und Bedarfen der Zeit begegnen, mal durch Anpassung, mal durch bewusste Gegenposition, immer aber flexibel.
Dabei nicht den Kern zu vergessen und den Fokus nicht zu verlieren ist die Königsdisziplin.
Für das Karmelitenkloster in Bamberg heißt das, Ort zu sein, an dem Menschen leben gestalten.
Für das Sprechen als Christ:innen heißt das, die Botschaft des Evangeliums immer wieder ins heute zu erzählen.


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